WALDEN: PETRICHOR

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Samstag, 2.Juli 2022, 14-21 Uhr
Künstlerhof Frohnau, Hubertusweg 60, 13465 Berlin
Eintritt frei, Open Air, bitte Picknickdecke mitbringen.

Eintägiges Performancefestival auf dem Künstlerhof Frohnau, kuratiert von SHIN Hyo Jin und Oscar Otto Hernandez Ruiz. In der zweiten Ausgabe der Reihe “Walden” wird der Wald rund um den Künstlerhof Frohnau wieder zu Klang-, Begegnungsraum und Bühne, mit einer Reihe von Performances, Lesungen und Konzerten. Der Künstlerhof Frohnau liegt am nördlichsten Rand Berlins: ein verwaldetes Gelände, dessen verstreute Gebäude seit den 1920er Jahren Kranke, Süchtige, Geflüchtete und seit nunmehr über 20 Jahren eine Vielzahl Kunstschaffender beherbergt haben. An diesem besonderen Ort zwischen Natur und Kultur, Stadt und Peripherie, Geschichte und Gegenwart werden die Besucher:innen eingeladen, sich einzulassen auf eine intensive innere Reise, in-spiriert durch die Performances:
Luft und Atmen, Pause machen, Innehalten, den Körper wahrnehmen. Zusammenkommen, gemeinsam Geschichte/n (er-)hören und Freiräume erleben und (er-)träumen.  Der Duft von Regen auf trockenem Waldboden – Petrichor.

Programm
14.00   SHIN Hyo Jin und Otto Oscar Hernandez Ruiz: Eröffnung
14.30   Tatiana Heuman / QEEI: “Hypnopomp”
15.30   Miranda Markgraf: “auf moos”
16.00   ensemble mosaik: The additive arrow (Catherine Lamb, 2021/22)”, für Bassflöte, Synthesizer und Cello.
17.00   Richard Schnell & Fritz Nagel: “Das Leben der Bienen”
18.30   Otto Oscar Hernandez Ruiz: “Odeur”
19.30   Letkidbe
mit Lichtinstallationen von Moritz Löwe.

Im Rahmen der “Initiative Draussenstadt”.

Ausführliche Programmbeschreibung

Tatiana Heuman: “Hypnopomp”
Tatiana Heuman alias QEEI wird die Scores “How to Hypnopomp?” live performen. Der hypnopompische Zustand ist jener Moment kurz vor dem Aufwachen, in dem man nicht mehr schläft, aber auch nicht ganz wach ist. Der Körper befindet sich in anderen Räumen und kehrt aus unbekannten Gefilden zurück. “How to Hypnopomp?” dient als Leitfaden für die Ausführung sehr langsamer und subtiler Gesten und Handlungen im Prozess des Aufwachens. Diese Bewegungen können imaginär sein, die physische Verfügbarkeit sollte keine Einschränkung für ihre Ausführung darstellen. Die Besucher*innen können selbst diesen besonderen Zustand mit größerer Ruhe durchschreiten und eine beträchtliche Zeit darauf verwenden, die ersten Bewegungsimpulse zu erforschen, Auszüge aus Traumerinnerungen zu überprüfen und ein fortschreitendes Bewusstsein für das Hören von inneren und äußeren Geräuschen zu entwickeln. Tatiana Heuman arbeitet in den Bereichen Musik, Performance und Medienkunst. Seit 2018 tourt sie mit ihrem Soloprojekt QEEI und präsentiert ihre Musik auf Festivals und an Orten wie dem Tauron Nowa Muzyka, Katowice, MACBA in Barcelona und CTM in Berlin. 

Tatiana Heuman, Foto: Vareila M.

Miranda Markgraf: “auf moos”.
Konzept/Choreographie: Rebecca Ristow & Miranda Markgraf. Tanz: Miranda Markgraf. Dramaturgie: Alexander Seeger. Musik: Marvin Horsch
Ausgehend von der These ‘Leben heißt Bewegung’ beschäftigt sich die Performance mit dem Entstehen, Wachsen und Vergehen und erneuten Entstehen des lebendigen Grüns. Durch die meditative Vertiefung in die stille Welt des Waldes öffnet sich ein neuer innerer Raum, in dem Bilder, Erlebnisse und Beobachtungen anklingen. Miranda Markgraf ist als Tänzerin und Eurythmistin in verschiedenen sozialen und künstlerischen Arbeitsfeldern tätig. Ihre Bühnenstücke beschäftigen sich mit menschlichen Zuständen und dem Grundsätzlichen sowie Persönlichen im Verhältnis von Ich und Umwelt.

Miranda Markgraf, Foto: Franziska Strauss

ensemble mosaik: The additive arrow”
Catherine Lamb (2021/22), für Bassflöte, Synthesizer und Cello.
ensemble mosaik: Rebecca Lane – flute, Ernst Surberg – synthesizer, Mathis Mayr – cello
Das ensemble mosaik erprobt neue Konzertformate, die einzelne Werke im Kontext eines Gesamtzusammenhangs reflektieren, aktuelle Strömungen fokussieren und spezifische Perspektiven eröffnen. In Kooperationen mit Künstler*innen anderer Sparten oder Musikgenres werden die Konzerte selbst zur Experimentalanordnung.

Ensemble Mosaik, Foto: Distruktur

Richard Schnell & Fritz Nagel: “Das Leben der Bienen”
Musikalische Lesung: Richard Schnell, Schauspieler und Sprecher & Fritz Nagel, Musiker und Flötenbauer.
Fritz Nagel spielt eigene Kompositionen auf der Shakuhachi, der Kalimba und der Bass-Bansuri, Richard Schnell liest eine gekürzte Fassung des poetischen Buches »Das Leben der Bienen« des Nobelpreisträgers für Literatur, Bienenfreundes und Naturforschers Maurice Maeterlinck. Eine Hör-Reise, die ihr Publikum zum faszinierenden Schwärmen der Bienen mitnimmt, ihrer feierlichen Staatengründung beiwohnen lässt und die jungen Königinnen auf ihrem Hochzeitsflug begleitet.

Fritz Nagel & Richard Schnell

Otto Oscar Hernandez Ruiz: “Odeur”
Eine künstlerische Performance als Fragment eines Theaterstücks oder eines Films. Zwei oder drei Personen schneiden Gemüse und bereiten eine Suppe vor, die Bewegungen sind langsam und überlegt. Ein Pianist probt einige Adagios. Zwischen Topf- und Schnittgeräuschen, kleinen Gedichtfragmenten, Nachrichten aus dem Radio, Ambient-Sounds und Geräuschen vom Plattenspieler entsteht eine polyphone Klangwelt. Wenn die Suppe ihre Kochzeit beendet hat, entfaltet sich die Bühne Richtung Wald mit Tüchern, Textilien und Dampf. Otto Oscar Hernández Ruiz arbeitet als Maler, Zeichner und Performancekünstler und erforscht die Konstruktion und Dekonstruktion der eigenen Wahrnehmung einer Umgebung und der Gestaltung von Landschaft. In seinen ortsspezifischen Performances artikuliert er sich audio-visuell, immer in Interaktion mit dem Publikum, mit Musik und dem jeweiligen Ort.

SHIN Hyo Jin, gemeinsam mit Herndandez Ruiz Kuratorin von Walden: Petrichor, hat europäische klassische Musik studiert und seit ihrer Jugend bei verschiedenen Meistern und Lehrern traditionelle koreanische Musik- und Performance erlernt. Seit 1994 führt sie in verschiedenen eigens gegründeten Ensembles diese auf und wirkt parallel in experimentellen, transkulturellen und zumeist interdisziplinären Musik- und Performance-Projekten. Seit 2015 ergründet sie Wege zur Überschreitung von Grenzen zwischen akustischer, elektronischer Musik und Performance  in Zusammenarbeit mit Tilman Porschütz/Mandy Mozart , dem Maler und Performance-Künstler Otto Oscar Hernández Ruiz und dem Produzenten ISHIHARA Shigeru a.k.a DJ Scotch Egg a.k.a Scotch Rolex.


Otto Oscar Herndandez Ruiz und SHIN Hyo Jin, Foto: Robin Hinsch

Letkidbe
Als leidenschaftliche Sammlerin von Kassetten stellt die Künstlerin seit 2016 immer wieder für ausgewählte Orte und Momente, Lo-Fi Musikreisen zusammen. Genreübergreifend formen sich die saisonalen Empfindungen der inneren und äußeren Wahrnehmungen zu atmosphärischen Ensembles. Mindgerecht portionieren sie deep-listening, healing, easy-listening, blissful und vocalprägnante Songs diverser Genres in ihre Sets. Neben ihrer Affinität zum analogen Lo-Fi Medium, setzen sie im Digitalen auf treibende und housige Sounds.

Letkidbe, Foto: Martin Lovekosi